Rezension zu den 53. Theatertagen in Deggendorf

Und damit zu den Stücken! Die diesjährige Programmauswahl bot einen spannenden und aktuellen Überblick, in welchen Bereichen des Schultheaters die bayerischen Gymnasien derzeit ihre Schwerpunkte setzen, und eröffnete zugleich ein Spektrum interessanter Arbeitsweisen, Realisierungsmöglichkeiten und Inszenierungsansätze zeitgenössischen Schultheaters. Fast alles war geboten – außer geglätteten Musterlösungen. Das aufmerksame Fachpublikum konnte faszinierend unterschiedliche Produktionswege sehen – mit pädagogisch wie inhaltlich und ästhetisch völlig differierenden Voraussetzungen und Ergebnissen. Die Theatertage präsentierten eine Vielfalt, die gerade in ihrer Breite und Unterschiedlichkeit nachhaltige Diskussionen anregen kann.

Theater nach dramatischen Vorlagen

„Der tollste Tag“

Die Bühne ist fast leer. Nur fünf Kartons, davon vier gleich große, befinden sich auf ihr. Plötzlich tauchen dahinter einzelne Körperteile, Füße, Hände, sodann Arme und Beine auf, bis sich schließlich die einzelnen Personen sichtbar auf der Bühne befinden. Und damit kann die Aufführung der Oberstufen-Theatergruppe des Dientzenhofer-Gymnasium Bamberg unter der Leitung von Ludwig Bieger und Dominik Stoecker von „Der tollste Tag“ nach einer Textvorlage des Wiener Schriftstellers Peter Turrini, der eigentlich für seine gesellschaftskritischen und provokanten Heimatstücke bekannt ist, beginnen. Turrini hat darin Beaumarchais` sozialkritische Komödie „Der tolle Tag“ umgearbeitet. Die Steigerung im Titel zeigt sich auch in der Textneufassung. Figaro, der Kammerdiener des spanischen Grafen Almaviva, will Susanne, die Zofe der Gräfin, heiraten. Doch obwohl der Graf seiner Frau zuliebe das „ius primae noctis“ (das Recht auf die erste Nacht) offiziell abgeschafft hat, geht er davon aus, es zusammen mit Susanne nutzen zu können. Um seinem Objekt der Begierde näher zu kommen, spinnt der Graf einige Intrigen, deren Realisierung er Bazillus überlässt. Die Gegenintrigen Figaros führen allerdings bei Turrinis Bearbeitung nicht zu dem Happy End der Vorlage, wonach die Gräfin ihren Grafen zurückbekommt und Figaro seine „unversehrte“ Susanne heiraten kann. Vielmehr muss der Graf seinen Versuch, Susanne zu vergewaltigen, mit dem Leben bezahlen. Während bei Beaumarchais die Macht des Grafen durch den Sprachwitz besiegt wird, wodurch nach Turrini das Kriterium der Komödie erfüllt wird, jedoch nicht die tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse wiedergegeben werden, lässt Turrini das Happy End ausfallen, da seiner Meinung nach die Mächtigen den Witz des Machtlosen nur so lange erlauben, wie dadurch ihre Interessen nicht bedroht würden. „Geschieht dies, so dreht sich der Mechanismus um. Die Verhältnisse sind stärker als die Sprache. Wenn die Gewalt die Tatsachen schafft, ist der Witz keine Waffe mehr.“ (P. Turrini) Trotz dieser theoretischen Überlegungen enthält die Textvorlage eine Vielzahl von Wortspielen und (z. T. derben) Witzen, wobei die Gruppe Textlastigkeit bei ihrer Vorführung stets vermeiden konnte. Mit Halbmasken sowie T-Shirts und eng anliegenden Gymnastikhosen, in verschiedenen, jedoch jeweils einheitlichen Farben bekleidet, führte uns die Bamberger Truppe eine bewusst körperbetonte Inszenierung im Stile der Commedia dell’arte vor, bei der jeder Akteur sich eines tänzerischen Bewegungsablaufes bediente. Dabei vermittelten die Schauspieler, allen voran die Gräfin, ein hohes Maß an handwerklicher Kunst. Überzeugen konnte als Szene vor allem die „Gerichtsverhandlung“, bei der die Käuflichkeit des Richters komisch und irritierend zugleich vorgeführt wurde. Die Bewegungen, die mithilfe von Improvisationen entwickelt wurden, blieben dabei bewusst reduziert. Insgesamt konnte diese stilisierte Inszenierung gerade durch die beabsichtigte Reduzierung aller theatralen Mittel ästhetisch überzeugen. Live gespielte Gitarrenmusik wurde atmosphärisch, dabei fast schon minimalistisch eingesetzt, Licht nur sehr sparsam verwendet, die Sprachführung sowie die Bewegungsmuster der einzelnen Akteure blieben (fast) gleich, die Halbmasken verringerten die mimischen Ausdrucksmöglichkeiten und das Bühnenbild bestand nur aus einigen Kartons. Gerade hierin offenbarte sich auch eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten im Schultheater, da hier weniger oft mehr ist. Das Problem, dass diese Beschränkung das Publikum nur eine bestimmte Zeit hinaus in den Bann ziehen kann, war der Gruppe dabei bekannt. Deshalb wurde das Stück von Anfang an auf 45 Minuten hin konzipiert, eine Länge, die es zudem zuließ, dass die Bamberger ihr Stück ungekürzt bei den Bayerischen Schultheatertagen aufführen konnten.

Yvonne, die Burgunderprinzessin

Das Stück von Vitold Gombrowicz erinnert an Büchners „Leonce und Lena“ und könnte genau so zu einem Klassiker für das Schultheater werden. Im Mittelpunkt parabelhafte, für Jugendliche stets aktuelle Fragen, wie die Vergänglichkeit der Liebe oder das Problem von Außenseitertum und Mobbing. Außen herum ein grotesker, auch an Märchenstoffe erinnernder Spielrahmen, der der Phantasie viel freien Raum lässt. Diesen Raum füllte der Grundkurs Dramatisches Gestalten vom Christoph-Jakob-Treu- Gymnasium aus Laub unter der Leitung von Eva Pöllinger zunächst, indem er in Bühnenbild und Ausstattung einen Stil vorstellte, dessen feste Komponenten irgendwie die Farben Rosa und Weiß bildeten. Der Zuschauer betritt, leise berieselt von aktuellen Chartstiteln (Wozu das?), die abgedunkelte Aula des Deggendorfer Gymnasiums, in der er die Guckkastenbühne des Deggendorfer Gymnasiums in wechselnden Farben schimmern sehen kann. Fenster und Türen aus angemalter Pappe bilden eine popartmäßige Schlossszenerie. Dieser Rahmen verwundert bei der erwarteten Burgunderprinzessin nicht und wirkt gut überlegt. Noch bevor aber dieser Raum bespielt wird, beginnt das Stück im Publikum, wo eine sich als verhärmt zeigende Mutter ihre duldsame große Tochter mit elegantem Strohhut, aber in unzeitgemäßem grauen Strickkleid, beschimpft und sie dann im Zuschauerraum Platz nehmen, also sitzen lässt. Aus dem Zuschauerraum gelangt diese, wie sich später herausstellt, graue Prinzessin Yvonne, deren von dunklen Schillerlocken gerahmtes Gesicht in rosa und weiß verschminkt ist, an den Hof. Dort erregen sich alle über ihre angebliche Hässlichkeit. Doch möchte sie Prinz Philipp, warum auch immer, heiraten. Vielleicht will er seine Königseltern provozieren und dadurch die oberflächlichen Konventionen des Hofes entlarven. Schließlich ist dieser Hofstaat ein Sammelsurium an Absurditäten. Der König, ein fingerspielender Gockel im pelzbesetzten rosa Bademantel und ebensolcher Krone (sehr originelles Kostüm!), ist nicht in der Lage auch nur die kleinsten Entscheidungen zu treffen. Die Königin, eine pathetische gestikulierende Lady in Red mit Goldkrönchen, frönt heimlich einer an Dilletantismus nicht zu übertreffenden Dichtkunst. Die in rot glitzernden Cocktailkleidern und lockerer Businesskleidung, zu oft in Linien und Halbkreisen chorisch auftretenden, Höflinge, finden in „Ts“ und „Ach“- Kommentaren zu ihren handlungsstärksten Momenten. So hält die Kammerfrau, gestaltet wie eine Event-Managerin, funkverbunden, man weiß nicht mit wem, das Geschehen in der Hand. Da der Wille des Prinzen aber unabänderlich scheint, versucht der Hofstaat Prinzessin Yvonne die Schweigsame nach seinen Vorstellungen herzurichten. Das Bühnenbild ist mit einigen Kartonumstellungen schnell in einen rosafarbenen königlichen Frisiersalon geändert. Jeder darf zur Musik von „Prince“(! – Titel: Kiss), wie in Schauspieleretüden oft geübt, an Yvonne etwas ver-(schlimm)bessern. Prinz Philipp ist natürlich empört über dieses verräterische Verhalten des Hofes an seiner Verlobten – und stellt im selben Moment seine wie aus dem Nichts hervor gebrachte adrette neue Verlobte Lisa vor, die mit ihrer verschränkten Haltung nicht nur am Hof, sondern auch auf der Bühne fremd wirkt. Damit haben alle ein neues Problem: Wie kann man diesen Fremdkörper Yvonne ohne Schaden los werden? Im Wesentlichen kommen alle zum gleichen Ergebnis: Ob König Ignaz, der sich gegenüber seinem aus dem Zuschauerraum heraus gespielten Volksvertretern, rechtfertigen muss, ob Königin Margarethe, die Yvonne als Anfrage an ihre innere dichterische Existenz empfindet oder ob Prinz Philipp, der sein schlechtes Gewissen beruhigen will, alle kommen zu dem gleichen Ergebnis: Yvonne muss ermordet werden. Und tatsächlich verschluckt sie sich tödlich beim gemeinsamen Abendmahl, wie es die Hofdame unauffällig geplant hatte, weil sie der König, wie er schon hundertfach vorher betonte „von oben herab“ angeschaut hatte. Sarkastisches Ende eines grotesken Stückes. Aber geht es nicht um mehr, als um „ ... Jeder will einmal Prinzessin sein ...“, wie die Schlussmusik erklärte? Das Publikum jedenfalls blieb unentschieden, ob es auf die in Schülerregie entwickelte Tragikomik mit Lachen reagieren soll oder mit Schock. Da agierte ein König Ignaz in seinen Tigerpantoffeln und signalisierte seine Unbeholfenheit durch einen staksigen Gang und eine hektische Sprache. Dazu gestikulierte er dauernd mit rotierenden Fingern. Diese Stilisierung erinnert ebenso wie das pathetische Gehabe der Königin oder das Dauerschweigen der Burgunderprinzessin an die Typologien der Commedia. Ein solcher Grundhabitus nützt sich aber schnell ab, wenn er nicht geschickt variiert wird. Wortwitze (Königin: Du vergisst Dich – König: Ich erinnere mich.) gingen im hektischen Wortschwall unter. Handlungsgags, wie das existenzielle Entsetzen der Königin über ihre kunstlosen Gedichte, endeten darin, dass sie sich ihre Haare raufen will, aber dabei ungefähr eine Strähne zerstört. Das war alles nicht ohne Witz, aber die Funken der vieler guten Spielideen blieben zu oft auf der Bühne stecken und sprangen zu wenig auf die Zuschauer über. Der Applaus zollte der Schülergruppe die verdiente Anerkennung.

Marat .. de Sade

Großer Bühnenaufbau auf der Bühne der Stadthalle in Deggendorf (Übrigens der einzige während der ganzen Theatertage!): Die sich wie bei einer Halfpipe seitlich erhebende Gerüstkonstruktion erinnert an eine Baustelle ebenso wie durch das dominante Papierweiß und seine von der Seite zur Mitte abfallenden Holzflächen an ein verkommenes Waschhaus. Ist die zentral am tiefsten Punkt positionierte Badewanne ein Ort der Reinlichkeit, gar der Wellness oder ein Abfluss für den Ausfluss, die Kloake für alles? Ein überzeugend erdachter Raum vom Ende der Welt, vom Abseits der Gesellschaft, der bevölkert wird von einer wimmelnden Gesellschaft Irrer. Der Bühnenhauptraum ist stimmig weiß ausgeleuchtet, gelegentlich setzt das Licht im Hintergrund farbliche Verweise auf die Blutigkeit vpm Revolution oder die erwähnten Hinrichtungen. Schon beim Einlass vegetieren hier und in den engen seitlichen Durchgängen verkrümmte Gestalten in beigefarbener Wäsche und weißen Kleidungsteilen vor sich hin. Individuell werden diese Massenfiguren nur durch ihre Ticks, gemeinsam bilden sie die trostlose Belegschaft eines Irrenhauses, die ihren alltäglichen Verrichtungen verharren, ärztlicher Kontrolle oder Zähneputzen. Unvermittelt stürmt ein überaus jugendlicher Direktor im Gesellschaftsanzug mit seiner knabenhaften Frau im Abendkleid durch das Publikum um einen links von der Bühne montierten, gefährlich hohen Thron zu besteigen. Von dort begrüßt er herrschaftlich die Zuschauer, um mit ihnen das Stück über den Revolutionär Marat zu betrachten, das sich Herr de Sade, ebenfalls Insasse der Irrenanstalt, erdacht hat. Der Direktor schaltet sich im Folgenden nur ein, wenn es seine obrigkeitliche Verantwortung notwendig macht, besonders wenn sich gefährliche Unruhe unter den Irren breit macht. Schon dieser Auftakt macht deutlich, dass die Theatergruppe des Gymnasiums Ottobrunn unter der Leitung von Tim Proetel den Text von Peter Weiss ernst nimmt. De Sade, eine ganz fleischliche Erscheinung mit weißer Krawatte und übergroßem weißen Zylinder, lallt, torkelt, schreit, nuschelt, flucht, springt, brüllt, tanzt, debattiert sich durch die Geschichte Marats, die von der Brutalisierung der Revolution, von Revolutionsbesessenheit, vom heldenhaften Ansehen beim Volk, Problemen bei der Wahrnehmung der Wirklichkeit und nicht zuletzt vom politischen Mord erzählt. Die in dieser Geschichte angedeutete Entwicklung eines Revolutionsterroristen oder auch die Auseinandersetzung um die französische Revolution oder die Problematik des Außenseitertums bleiben bei dieser Aufführung eher zweitrangig. Das liegt an vielem, an der gekürzten Fassung, der Akustik, der Sprechtechnik, aber nicht zuletzt auch daran, dass in der allgemeinen, andauernden Unruhe auf der Bühne die Zusammenhänge untergehen. Dabei hat die Inszenierung Konsequenz, denn sie entwickelt sich aus den Ticks der Irren und dem sprechenden Hauptrequisit, unbedrucktem großflächigem Zeitungspapier, heraus. Da wird um Marat, der in der Badewanne vegetiert, herum getanzt, wobei Zeitung zerfetzt wird, Folterschläge werden durch Zeitungsrisse erfahrbar gemacht. Die Versammlung der Irren begleitet die einzelnen Szenen auch subtil mit Papier knisternd oder mit Ausbrüchen in Gemeinschaftspanik oder -ekstase. An anderer Stelle verfallen alle in wüste Schminkversuche oder steigen mit variantenreichem chorischen Sprechen, auch rhythmischem Gesang in die Handlung ein. Dazwischen wird auf dem Badewannenrand balanciert, durcheinander gestampft, übereinander gerollt und getobt. Die Flut der wechselnden Bilder und der präzisen Choreographien ist ruhelos und fordert (überfordert?) den Zuschauer. Dazu Marat, der in seiner Verzweiflung und in seiner zerfaserten Sicht der Wirklichkeit verdoppelt und verdreifachet erscheint, bis er schließlich relativ unspektakulär in der nassen Wanne seinen Tod findet. Das endgültige Chaos dieser irren Gesellschaft aber löst erst das Lob auf Napoleon aus, das im Blackout des Stückes erstickt wird. Zu Recht wurde diese spielerische und konzeptionelle Leistung mit begeistertem und anhaltendem Applaus belohnt.

That Night Follows Day

Das Dürer-Gymnasium Nürnberg unter der Leitung von Maximilian Weig hatte sich mit dem Stück von Tim Etchells eine “literarische” Vorlage ausgesucht, die noch nicht auf Bayerischen Schultheatertagen zu sehen war. Der Autor (geb. 1962), ein englischer (Theater- )Schriftsteller, Regisseur und Performer, der durch seine Arbeit mit der Performance-Gruppe „Forced Entertainment“ bekannt ist, die er 1984 in Sheffield gegründet hat, legt uns einen Text vor, der nichts mit „normalen“ Dramentexten zu tun hat. Auf jegliche Handlung wird darin verzichtet. Vielmehr soll in diesem Stück von Kindern für Erwachsene, das Etchells zusammen mit Kindern geschrieben und inszeniert hat, der Erwachsenenwelt aufgezeigt werden, wie sie die Kinderwelt definiert und dominiert: „Ihr versucht, uns etwas über die Welt zu erzählen. Ihr erklärt uns, was Liebe ist. Ihr erklärt uns, was Krieg bedeutet. Ihr küsst uns, während wir schlafen. Ihr flüstert, wenn ihr denkt, wir würden nichts hören. Ihr erklärt uns, dass die Nacht auf den Tag folgt.“ Themen des Textes sind Erziehung, Disziplin, Fürsorge sowie Glücksprojektionen des familiären Zusammenlebens. Dabei werden die Erwachsenen von den Kindern aber weder beschimpft, so wie das Publikum in Handkes „Publikumsbeschimpfung“, an die das Stück teilweise erinnert, noch wird ihnen der moralische Zeigefinger gezeigt. Vielmehr spiegeln die Kinder das, was sie sehen, hören bzw. zu hören bekommen. Zu Beginn der Vorstellung gruppierten sich die „Schauspieler“, die keine Rollen spielen wollten und sollten, ähnlich, wie bei einem Klassenphoto. Dann fingen sie chorisch zu sprechen an und konfrontierten ihre (erwachsenen) Zuschauer mit Sätzen, die jeder schon einmal selbst gesprochen oder gehört hat. Erst nach längerer Zeit löste sich diese Gruppierung auf. Die Schüler nahmen weitere Positionen ein, sei es in einer Stuhlreihe am hinteren Bühnenrand, sei es auf einzelnen, inmitten der Bühne platzierten Stühlen oder in einer Reihe an der Rampe sitzend. In ihrer bewussten Reduktion setzte die Gruppe den Inhalt des Textes um. Die Darsteller wurden dabei stets in eine strenge Anordnung gebracht, so dass den Zuschauern ein Bild der Disziplin geboten wurde. Dies vermittelte auch die Textarbeit, denn zumeist wurde „robotergemäßes“ Sprechen gegenüber Rhythmisierung oder Wechsel des Sprechtempos bevorzugt. Nur an wenigen Stellen wurde der Text so gesprochen, dass gewisse „Gefühle“ oder Einstellungen des bzw. der Sprechenden hörbar wurden. Durch diesen bewussten Verzicht auf eine Rolle wurde den Zuschauern ein Spiegel vorgehalten, dem er sich stellen oder den er ablehnen konnte, der ihn jedoch nicht unbeeindruckt ließ. Auf einhelliges Lob stieß die handwerkliche Perfektion dieser Inszenierung. Die relativ jungen Darsteller aus den Klassen 6 bis 8 agierten sehr präzise. Zumeist setzten sie dabei sog. „performatives Theater“, bei dem die Bedeutung des Dargestellten ausschließlich im Vollzug einer Handlung und nicht in der Zeichenhaftigkeit des Spiels, seiner Handlung, Personen und Kulissen liegt, weshalb auf „Rollen verzichtet wird, gekonnt um, auch wenn sie bei manchen Textmodulationen sich nicht an die strenge Vorgabe dieser Theaterform hielten. Eine spannende Diskussion löste bzw. löst die Frage aus, ob die Darsteller gerade aufgrund ihrer handwerklichen Perfektion vom Spielleiter nicht in gewisser Weise „missbraucht“, d. h. zu sehr gedrillt worden seien. Musste nicht die Einübung einer derartigen Inszenierung gerade das „Ihr erklärt uns ..., ihr sagt uns...“, das der Text uns Zuschauern vorsetzte, im Übermaß vom Spielleiter verwendet worden sein, damit die Darsteller unter Ausblendung des kindlichen Spieltriebs so diszipliniert die Vorlage auf der Bühne präsentieren konnten? Insofern gingen die Kommentare der Zuschauer zum Stück sehr weit auseinander, von „Kindesmissbrauch“ bis „grandiose Vorstellung“. Gerade die Auseinandersetzung über das Stück und seine Inszenierung verdeutlicht jedoch, welch wichtigen Beitrag die Nürnberger Gruppe unter der Leitung von Maximilian Weig geboten hat, indem sie altbekannte (sichere) Wege verlassen und einen neuen Ansatz auf die Bühne der Theatertage gebracht hat.

Eigenproduktionen frei nach literarischen Texten

Johann-Michael-Fischer-Gymnasium Burglengenfeld: Nachtschwärmer Das Grimmsche Märchen von den zertanzten Schuhen hatte sich die Theatergruppe des Johann-Michael-Fischer Gymnasiums Burglengenfeld unter der Leitung von Karin Then vorgenommen. „Familie König hat ein Problem“ – so wurde das Märchen in die Jetzt-Zeit transportiert: jede Nacht büxen die Töchter aus und liegen am anderen Morgen todmüde in ihren Betten, haben sich offensichtlich bei wildem Tanz verausgabt – nur zu verständlich, dass die Eltern König da gerne wüssten, was ihr Nachwuchs so treibt und deshalb den Gören ein paar Spione hinterherschicken. Denen wird es wahrhaftig nicht leicht gemacht, die Wahrheit herauszufinden, denn die Mädchen verstehen es mit allerlei Raffinesse, ihre nächtlichen Ausflüge zu kaschieren. Aber schließlich gelingt es einem doch und er taucht in eine andere Welt ein und entdeckt das Geheimnis der Königstöchter, das ja nicht nur im heimlichen Discobesuch besteht… Soweit und auch im weiteren Verlauf wurde die Märchenhandlung stimmig adaptiert. Die Rahmenhandlung, mit der die Spieler dem Märchen einen aktuellen Anstrich geben wollten, eine Fernsehshow mit dem Motto „Familienprobleme schnell gelöst“, wäre gar nicht notwendig gewesen, um den Reiz der Geschichte zu vermitteln. Denn die Szenen entwickelten ihre eigene Poesie, und dazu trug nicht nur das exakte Spiel der Gruppe bei. Die Imagination des Zuschauers erhielt reichlich Anregung, die Spieler schufen Landschaften, Räume, Stimmungen vor allem über ihr körperlich sehr präsentes Spiel. Es wurde unterstützt von einer raffinierten Lichtregie, die schöne Übergänge ermöglichte, durch den geschickten Einsatz von Musik und durch die Spielfreude der Darsteller, die manchmal durch ein langsames Tempo etwas gebremst schien und dort wiederum am lebhaftesten zum Ausdruck kam, wo der choreographierte Tanz im Mittelpunkt des Geschehens stand. Den einen oder anderen dramaturgischen Stolperer, der sich offensichtlich dem Entstehungsprozess des Stückes verdankte, verzieh das Publikum gerne der engagierten Gruppe. Denn der eigenständige Zugang, die Fülle an Ideen und die darstellerische Präsenz überzeugten, so dass es reichlich Applaus gab.

(F)eine Gesellschaft

Collagen scheinen zwar etwas aus der Mode. Dabei lösen sie, vor allem für große Theatergruppen, ein häufiges organisatorisches Problem, nämlich die Frage, wie bekommen möglichst viele Spielerinnen und Spieler wirklich wichtige Rollen? Ein Problem, das man heute lieber durch Rollensplitting oder chorische Ansätze löst. Von den vielen Möglichkeiten, die sich für den Aufbau eines Theaterabends als Textcollage bietet, entschied sich der Grundkurs Dramatisches Gestalten aus Bad Tölz unter der Leitung des Schauspielschülers Florian Günther, einem Ehemaligen des Gabriel-von-Seidl- Gymnasiums, für eine Serie von Szenen aus literarischen Vorlagen, die durch den Titel „(F)eine Gesellschaft“ grob zusammen gehalten wurden. Als Autoren nennt das Programmheft der Theatertage andeutungsweise Brecht, Dürrenmatt, Polt, Tocotronic, Kroetz und Schlör. Ein weites Feld inhaltlich und stilistisch, in das die fünfzigminütige, wie die Schüler betonten eher organisatorisch bedingte, Auswahl aus dem ursprünglich über drei Stunden dauernden Programm einen Einblick gab. Szenen aus der Welt der Politik und Wirtschaft wurden lose kontrastiert mit ganz privaten Schicksalen. Der Zuschauer nimmt so teil am Zwiespalt einer Weltorganisation, die einerseits die Abschaffung des Kannibalismus vorantreibt und gleichzeitig anderswo eine Hungersnot auslöst. Eine andere Szene zeigt wirtschaftliche Verhandlungspartner beim Psychokrieg um Strategien an Hand eines Kinderfotos. Ganz in den privaten Bereich, dazu noch in die Nachkriegszeit, gehört das Spiel um den Verlust einer Kellnerstelle, für die ein gehbehinderter Kriegsveteran in den neuen Zeiten nicht mehr geeignet erscheint. Dagegen scheinbar ganz gegenwärtig die sensationslüsternen Mordphantasien zweier frustrierter Ehefrauen. Sicher, jede Collage lebt nicht zuletzt vom Prinzip der Vielfalt, das sich hier im Rahmen der Black Box auf der Schulaula-Bühne mit einfachster Ausstattung, weiße Tische und Stühle in unterschiedlichen Anordnungen, und mit einigen wenigen Lichteffekten, entwickeln musste. Unterschiedlichste personelle Ausstattungen und Figuren beherrschten deshalb die Bühne. Zu dem zunächst einsamen neunzigjährigen Kai, der die Blumen liebt, gesellen sich KZ- Häftlinge mit dem Moorsoldatenlied (etwas zu lang ausgebreitet) aus seiner Erinnerung an seine Zeit als SA-Offizier. An anderer Stelle der in seinen unorganisierten und symmetrischen Gesten stilistisch völlig aus dem Rahmen fallende Showprediger, der in einem Solo gegen Homosexualität wettert. Und wieder ganz anders die abschließende Disco- und Tanzszene, die sich um die Unkontrolliertheiten übermäßigen Alkoholkonsums drehte. Gruppentanz, eine „Thriller“-Parodie und chorisches Delirium bestimmten den theatralischen Ausdruck. Vielfalt zeigten in dieser Collage auch die Sprachstile, wozu auch Dialektstücke gehörten. Obwohl der inhaltliche rote Fade dünn blieb und die Abwechslung dominierte, wurde der Zuschauer doch durch die durchweg hohe Bühnenpräsenz der Spieler gebunden und gefordert. Dies selbst dort, wo die literarischen Figuren die Spielmöglichkeiten eines Jugendlichen einfach überfordern. Es ist eher eine Selbstüberschätzung für Schüler zu glauben, dass es im personalen Spiel gekonnt möglich ist, die Geburtstagsrede eines Sohnes für seinen Vater vor versammelter Edelfamilie darzustellen, der in seiner Kindheit dauerhaft von diesem sexuell missbraucht wurde. Die Darstellung von Politikern und Geschäftsleuten, von Kriegsveteranen und anderen Erwachsenenrollen erscheint dann, wie durchweg auch die Kostüme, als Ausdruck von Klischees. Da bleibt Bewunderung für die gut erarbeiteten und trainierten Gestchen, Gesten und Haltungen, sowie die konzentrierte Dichte, wenn z.B. Mann und Frau sich in einem Nachtspiel durch Wortspiele gegen Angst und Kälte wach halten wollen, die Szenen selbst aber wirken eher distanzierend und künstlich. Der ambitionierte Spielansatz wurde vom jugendlichen Publikum mit tosendem Applaus quittiert. Die Spieler selbst wirkten dabei fast enttäuscht, sollten aber darauf stolz sein, dass sie die Probleme mit der Lichtgestaltung, der Licht-Mann hatte im letzten Moment abgesagt, mit Personal vor Ort und ihre eigene Leistung in Eigenregie, der Theaterlehrer konnte wegen anderer Verpflichtungen die Gruppe selbst nicht begleiten, so wirkungsvoll auf die Bühne brachten.

Carl-Orff-Gymnasium Unterschleißheim: E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann

Einen furiosen Auftakt lieferte die Gruppe des Carl-Orff-Gymnasiums Unterschleißheim mit ihrer Adaption von E.T.A. Hoffmanns düsterer Novelle, die zur Interpretation auf der Bühne geradezu herausfordert: da ist eine verrückte Geschichte, da sind schräge Charaktere, eine scheinbar wirre Erzählweise. Laut Programmankündigung war es das Anliegen der Unterschleißheimer und ihres Spielleiters Michael Blum, zugleich zu „informieren, verwirren und erschlagen“. Man wollte den Stil Hoffmanns auf die Bühne bringen und zog zu diesem Zweck alle Register: es war eine temperamentvolle, temporeiche und z.T. spektakuläre Darbietung der Ereignisse um den unglücklichen Studenten Nathanael mit seinem hoffnungslos übersteigerten romantischen Gemüt. Dabei thematisierten die Spieler nicht nur die psychische Verfassung der Hauptfigur durch Rückblicke in deren traumatische Kindheit, sondern kosteten das, was die Geschichte selbst hergibt, weidlich aus und interpretierten mit sichtlicher Freude die skurrilen Begebenheiten der Novellenhandlung auf der Theaterbühne. Unter dem Motto „Wer ist schuld am Tod Nathanaels?“ wurde das Ganze als Kriminalfall aufgezogen. Die Recherchearbeit einer cleveren Kommissarin, begleitet von einer schlau- trotteligen Assistentin, bildete den Rahmen für die Handlung. Unterstützt wurden die beiden von einer nicht minder pfiffigen Psychologin, die dem Zuschauer die bei Hoffmann so reizvollen Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele gewährte. Auf eine chronologische Darstellung wurde verzichtet, man legte dafür umso mehr Wert auf starke Bilder und das Ineinandergreifen von fantasievoller Lichtregie, körperbetontem Spiel, filmischer Projektion und nicht zuletzt einer beeindruckenden Fülle an Musikeinspielungen. Wie viele Lieder es allein zum Sandmann gibt! Die Dramaturgie des Kriminalfilms – schnelle Schnitte, fließende Übergänge, abrupte und extreme Lichtwechsel, Erzeugen von Atmosphäre durch musikalische Untermalung – ist ja für die Umsetzung auf der Bühne ein heikles Unterfangen, und der eine oder andere Zuschauer fühlte sich wohl auch etwas überfordert von so viel „Action“ und empfand die Wucht der Darstellung als klamaukhaft. Erstaunlich aber, zu welcher Präzision bei aller Freude am Tempo und der Gleichzeitigkeit dramaturgischer Mittel die Spieler in der Lage waren, und wie stimmig am Ende doch die Umsetzung wirkte. Dazu trugen sicher auch die virtuosen Übergänge zwischen den Szenen bei: Vom leicht verfremdeten Tatort-Trailer über das DDR-Sandmännchen, Schattenspiel, Schaffen neuer Räume durch Filmeinspielungen, die nahtlos in den Bühnenraum übergingen bis hin zu einem reichlich grotesken Sandmann-Tanz wurde nichts ausgelassen, was den Zuschauer während der Umbaupausen auf der mit Holzkisten äußerst flexibel gestalteten Bühne beschäftigen konnte. Hoffmanns doppelbödiges Spiel mit dem Leser, das ständige Changieren zwischen dem Erzeugen von Unbehagen, Ratlosigkeit und Gruseln mit einer ironisch-distanzierten, das Groteske gerne als das Selbstverständliche darstellenden Betrachtungsweise wurde gerade durch die Vielfalt der hier eingesetzten Mittel beeindruckend für die Bühne umgesetzt. Und, das lernten die Zuschauer allemal: keiner ist so, wie er sich gibt, nichts, wie es ist, die Nachtseiten der menschlichen Existenz halten Überraschungen parat, mit denen niemand gerechnet hat – und letztlich spielte es überhaupt keine Rolle mehr, wer denn nun schuld an Nathanaels Tod ist. Der Zuschauer hatte auch so genug zu tun - ein starker Auftritt einer sympathischen Gruppe!

Biografisches Theater

Verwandlung

Derjenige, der bei der Theaterproduktion „Verwandlung“ der Mittelstufentheatergruppe des Pirkheimer-Gymnasium Nürnberg unter der Leitung von Dirk Benker eine Anlehnung an Franz Kafka erwartet hatte, sah sich schnell getäuscht. Denn bis auf die Tatsache, dass die 15 Schauspieler/innen sich zunächst als unterschiedliche Tiere mit gewissen positiven und negativen Eigenschaften vorstellten, womit sie entfernt an den zum Käfer verwandelten Gregor Samsa erinnerten, sowie einen Originalsatz aus Kafkas Werk war diese Theateraufführung wirklich „fast ohne Bezug auf Kafka“, wie die Gruppe auf ihrer Homepage mitteilt. Vielmehr versuchten sich die Nürnberger am sogenannten (auto-)biographischen Theater, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, dass die Spieler nicht einfach literarische Vorlagen umsetzen, sondern in sich selbst die Geschichten entdecken, in denen die Handlungen und vor allem die Charaktere der Literatur stecken. Dadurch soll der Einzelne Brücken in seine je eigene persönliche Vergangenheit bauen, um sodann seine Geschichte ins Jetzt transportieren zu können. Nachdem der Spieler in sich selbst seine Figur gefunden hat, soll er, indem er diese zeigt, mit dem Zuschauer in Kommunikation treten. Kafkas Text war nun Ausgangspunkt für Assoziationen der Schüler, aus denen die selbstverfassten Texte entstanden sind. Ziel dabei war es, in eigener Sprache das eigene Leben zum Sprechen zu bringen. Inhaltlich wollte die Gruppe den „uralte(n) Kampf von Gut gegen Böse!“ durch das Aufeinanderprallen zweier rivalisierender Gruppen, eine ganz schwarz, die andere ganz weiß gekleidet, sowie der Gegnerschaft innerhalb der jeweiligen Gruppen darstellen. „Grautöne“ gab es dabei nach eigenen Angaben zunächst keine, laute Musiktöne, so von Queen und Rammstein, die von Schülern ausgewählt wurden, jedoch viele. Der einzige männliche schwarze Akteur, „Raven“, der, wie er sich selbst dem Publikum vorstellt, Menschen hasst, wird zunächst von den weißen Spielerinnen aufgenommen, nachdem er sich in eine weiße Akteurin, die sich als „Hamster“ bezeichnet, verliebt hat. Die schwarzen Mädchen, die fast hündisch devot um seine Liebe buhlen, lässt er seinem Charakter entsprechend mit arroganten, menschenverachtenden Aussagen (z.B. „Du siehst scheiße aus!“) abblitzen. Nur einmal im Stück rebellieren die schwarzen Mädchen gegenüber seinen misanthropischen Herabsetzungen, indem sie ihm ihre Tastaturen, die sie wie Taschen benutzen, vor die Füße werfen. Da die Liebe Ravens zur „Hamster-Frau“ recht schnell erlischt, wendet er sich wieder seinen schwarzen Gespielinnen zu. Die Abgewiesene entwickelt einen enormen Hass, der von der weißen Gruppe mitgetragen wird („Männer sind Schweine“). Eine geballte Wut entlädt sich in einem massiven, verbalen und körperlichen Angriff auf die schwarze Gruppe, deren Mitspielerinnen sich schützend um Raven gruppieren und schließlich aus dem Kampf als Sieger hervorgehen. Es geht somit insgesamt um Liebe, Intrigen, den Kampf der Geschlechter sowie vor allem den Kampf des weiblichen Geschlechts gegeneinander, bis schließlich in der Schlussszene durch schwarze Farbbeschmierungen im Gesicht und auf der Kleidung aller Akteure plötzlich doch „Grautöne“ entstehen. Teilweise konnte die Darbietung der Gruppe gefallen, so in einem von den Darstellern gespielten Wald voller Süßigkeiten oder beim summenden Einsatz von Musik nach dem Lied „Männer sind Schweine“. Sinnvoll ist auch der grundsätzliche Ansatz der Gruppe, von der reinen Textproduktion wegzukommen, indem man zumeist das gesamte Ensemble spielend auf der Bühne agieren lässt. Allerdings hinterließ die Aufführung gerade bei den bereits erwachsenen Zuschauern zwiespältige Gefühle, worüber auch die überschäumende Begeisterung mancher Jugendlicher bei der Präsentation von „Verwandlung“, die teilweise schon ansetzten, bei Liedern mitzusingen, nicht hinwegtäuschen konnte. So fehlte ein inhaltlicher Leitfaden trotz des erneuten Aufgreifens der „Tierbiografien“ am Stückende. Vielleicht wäre es zudem sinnvoll, die jugendliche Sprache, die zu oft aus dem Fäkalbereich schöpfte, sowie die von den Schülern vorgegebenen Inhalte, die zumeist allzu schablonenhaft im Schwarz-Weiß-Schema angesiedelt waren, durch eine durch den Spielleiter angestoßene Suche nach anderen Formulierungen sowie differenzierteren Inhalten in eine andere Ebene zu übersetzen, auf der trotzdem die Schülerwelt ausgedrückt wird. Zudem sollte der Eindruck einer „Play back show“, so in der Szene zum Lied „We are the Champions“ von Queen, in der die laute Musik herangezogen wurde, um eine theatrale Aussage zu ersetzen und das Spiel der Akteure nur stereotypische Bewegungen (Siegerpose) ohne ironische Brechung nachahmte, vermieden werden. Wichtig ist auch, dass die Sprecherziehung der Spieler noch intensiviert wird, um auch diejenigen, die sich nicht in den ersten Stuhlreihen befinden, an den biographischen Texten teilhaben zu lassen. Trotz aller Kritik hatte die Gruppe eine Art von Theater, die gerade für Schülergruppen bedeutsam ist, in postdramatischer Form engagiert auf die Bühne gebracht und mit ihrer Produktion Stoff für eine fruchtbare Diskussion geliefert.

Pestalozzi-Gymnasium München: Groß und klein 2.0 Familienbilder

Die Textcollage „Groß und Klein 2.0 Familienbilder“ entstand aus der Zusammenarbeit zwischen dem Wahlkurs Kreatives Schreiben und der Theatergruppe des Pestalozzi- Gymnasiums München (Leitung: Katalin Jäger). Interviews mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Thema „Familie“ boten die Textbasis zum szenischen Spiel und garantierten Authentizität und Unmittelbarkeit der Inhalte, zumal davon auszugehen ist, dass die hier gezeigten Erfahrungen zum Thema „Familie“ sowohl Spielerinnen als auch Zuschauern bekannt oder gar vertraut sein dürften. Dadurch ergab sich ein reizvoller, aber auch schwierig auszufüllender Spannungsbogen zwischen dem Spiel auf der Bühne und dem Erfahrungshorizont des Zuschauers: was von dem, was da die verschiedenen Interviewpartner über Familie sagen, kann man so umsetzen, dass neben dem Wiedererkennen ein Staunen, ein Getroffen-Sein statt Betroffenheit erzeugt wird, vielleicht auch ein neuer Blick auf das Vertraute gelingt? Und vor allem: welche Form der Darstellung ist hierfür die geeignete? Vielversprechend war der Einstieg: zunächst unter einer Goldfolie verborgen, enthüllte sich ein Familienfoto, das von drei Tänzerinnen, die wie die Figurinen einer Spieluhr agierten, kommentiert wurde. Schnell verdeutlichte das Spiel der Puppen die Fragwürdigkeit und das Mechanistische des hergebeteten Familienbegriffs, die Diskrepanz des Ideals mit den heutigen Gegebenheiten. Aber die Gruppe begnügte sich nicht mit der Darstellung dieses Auseinanderklaffens von Ideal und Wirklichkeit. Die Aussagen der einzelnen Familienmitglieder zum Rollenverständnis von Eltern und Kindern wurden meistens als Interview vorgetragen, als Monolog gestaltet und – leider recht selten, dort aber stark – ins szenische Spiel umgesetzt. So ergab sich eine Reihung von verschiedenen Sichtweisen auf die Familie und die Rollen der einzelnen Mitglieder. Logisch, dass das „ideale“ bürgerliche Familienmodell mit seiner klaren Rollenzuweisung eher die Randerscheinung war, es überwogen die Facetten von Familienleben, die heute die Lebenswirklichkeit bestimmen. Da wurde das punkige Aussteigerkind gezeigt, das der Familie den Rücken zugekehrt hat und sich doch einen Zusammenhalt von Eltern und Geschwistern wünscht, der frustrierte Sohn, der mit dem „chilligen“ Stiefvater zurecht kommen muss, „Elternversteher“, also Kinder, die erwachsener und „vernünftiger“ wirken als ihre Eltern, einen scheinbar abgeklärten Blick haben auf deren Schwierigkeiten, die Erwartungen an ihre Rolle zu erfüllen. Dieses reihende Prinzip, dem sich die Dramaturgie unterworfen hatte, die Wiederholung der Interviewsituation, erwies sich auf die Dauer doch als etwas wenig variabel, zumal der Einsatz des Körpers und auch die Gestaltung des Bühnenbilds zugunsten des Textes immer mehr in den Hintergrund traten und die Sprechtechnik der Spieler noch entwicklungsfähig ist. Der Gruppe ist zu wünschen, dass sie noch mehr Zutrauen in ihr kreatives Potenzial gewinnt, den Ernst und das Engagement, mit dem sie sich ihren Themen widmet, vielleicht öfter noch ins unmittelbare Spiel umsetzt und die Möglichkeiten theatraler Darstellung ausgiebiger nutzt.

Karolinen-Gymnasium Rosenheim: Ähm…hm…hihi – Der andere in mir

Eine Eigenproduktion zum Thema „Alleinsein“ hatte sich die Theatergruppe des Karolinen- Gymnasiums Rosenheim (Leitung: Michael Steurer) erarbeitet. Schon der Beginn ließ erahnen, dass die Gruppe ein Wagnis eingehen würde, denn es wurde das Entsetzen, die Fassungslosigkeit nach einem Amoklauf zunächst einmal in verschiedenen Aussagen thematisiert. Die Frage nach dem „Warum“ stand nun im Raum, und die Gruppe wagte sich daran, eine Antwort zu versuchen, indem sie Einsamkeit, Alleinsein Jugendlicher in verschiedenen Situationen aufgriff und darzustellen versuchte, wobei man eine Art Handlungsfaden anhand des Verlaufs eines Schultags entwickelte. Dabei wurden viele Aspekte angerissen, die mit Einsamkeit zu tun haben: Versagensangst und Leistungsdruck in der Schule, belanglose, oberflächliche Konversation, Ausgrenzung aufgrund wie auch immer gearteten Andersseins, bewusste oder unbewusste Kränkung durch Gleichgültigkeit, Ohnmachts- und Wutgefühle. Es wurden erkennbar eigene Erfahrungen eingebracht, die Situationen wirkten im Ansatz durchaus authentisch und bargen Möglichkeiten zu einer überzeugenden Auseinandersetzung mit dem Thema. Es fehlte der Gruppe auch nicht an Ideen und schauspielerischen Möglichkeiten, nur wäre ihr sehr zu wünschen gewesen, dass die vielen Einfälle in eine theatrale Form gebracht werden hätten können, die sie selber auch zufrieden gestellt hätte. So war vieles zu sehen, das noch einer weiteren Formung bedurft hätte. Gerade weil man sich so ein scheinbar nahe liegendes und aktuelles Thema ausgesucht hatte, erwies sich die Umsetzung auf der Bühne als heikles Unterfangen, und man tappte in etliche dramaturgische und inhaltliche Fallen, blieb immer wieder dem Klischee verhaftet und konnte so letztendlich auf die anfangs gestellte Frage nach dem „Warum“ eines Amoklaufes – und wer kann die schon beantworten? – keine die Zuschauer berührende Antwort finden. Das war der selbstkritischen und aufgeschlossenen Gruppe durchaus bewusst, und so bleibt den Rosenheimern zu wünschen, dass sie die vielen Anregungen, die die verschiedenen Aufführungen der Theatertage geboten haben, die engagierten Stückbesprechungen, zu denen sie Konstruktives beitragen konnten, und nicht zuletzt die Fachforen als Impuls und Motivation verstehen, sich weiter zu entwickeln und Stufe für Stufe ihr Potenzial noch besser zu nutzen.

Musiktheater

Gauklermärchen

Kann Poesie die Welt verändern oder tröstet sie nicht einfach nur über die Realität hinweg? Michael Endes „Gauklermärchen“ entscheidet diese Lieblingsfrage von Deutschlehrern nicht, entfaltet sie aber als Problem und hat sie damit als Handlungsraster. Das Theaterprojekt am Albert-Schweitzer-Gymnasium aus Erlangen unter der Leitung von Birgit Michaeli nahm sich dieses inzwischen oft auf Schülerbühnen (vgl. Internetrecherche) gespielten Stückes an und präsentierte im geheimnisvoll blau schimmernden und überwiegend spotartig beleuchteten Bühnenraum der Stadthalle eine Bilderfolge mit Musiken und Originaltextvertonungen des Musiklehrers Dr. Jürgen Brauner. Der Komponist leitete und dirigierte selbst das etwa zehnköpfige Orchester mit Band, Schlagwerk, Streichern, Akkordeon, Synthesizer und Flügel. Aber zur Geschichte, bzw. zu dem, was davon auf der Bühne zu erleben und mit Hilfe des Programmheftes zu verstehen war: Ein Zirkus steht vor dem Ende. Wiegende Figuren, Ballett, Jonglieren, Messerwerfer und andere Artisten beleben die Bühne und treiben ihr Spiel. Dazwischen das behinderte(?) Mädchen Eli. Eine Frage steht im Raum: Gibt es noch Hoffnung? Eine Art Anführer der Gaukler, Jojo, ein Junge im braunen, später auch im Ledermantel, tritt hinzu, kann die Hoffnungslosigkeit nicht abwehren und beginnt die Geschichte einer Prinzessin Eli zu erzählen. Ein Spiel im Spiel beginnt. Der Unterstufenchor tritt in Aktion. In einheitlich weißen Masken, individualisierter nur durch Einkaufstaschen, begegnet er in chorischem Durcheinander als Spiegelbilder, die von dem Spiegel Kalophain eingefangen wurden, Prinzessin Eli. Dazu Chorgesang, der Politiker- und Werbesprüche einfängt. Die Prinzessin selbst darf nicht in den Spiegel Kalophain schauen. Ein Verbot, das sie übertritt, als sie unter den Spiegelfiguren Prinz Joan (oder ist es der Anführer Jojo?) entdeckt, den sie unbedingt kennen lernen möchte. Eine musikalisch heftig untermalte (Schlagwerk!) Spiegelimprovisation fängt die Atmosphäre der neuen Gespaltenheit ein. Der Spiegel Kalophain muss die Suche nach dem Prinzen übernehmen, gerät dabei aber sogleich in die Fänge eines Wesens aus geschwungen bewegten, transparenten, grünen Tüchern, das sich als die machtbesessene Spinne Angramain entpuppt, die sich ebenfalls mit dem Prinzen Joan verbinden will, um an die Herrschaft zu kommen. Der Kampf zwischen Spiegel und Spinnen gewinnt Dramatik durch scharfe Geigenstaccati. Der Chor erscheint jetzt mit Glitzermasken. Ist er jetzt selbst der Spiegel und stellt sein Zerbersten im Kampf mit der zuletzt siegreichen Spinne dar? Ein Themenwechsel deutet sich in einer Improvisationsszene an: Ein Mädchen wird von Männern umworben. Die Geschichte geht weiter: Da Prinz Joan gerade Heiratspläne schmiedet, hängt sich Angramain an die Brautbewerberinnen an, die, schon in weißen Kleidern, vergeblich um den Prinzen werben. Angramain umgarnt ihn singend unter dem Namen Smeralda. Natürlich gerät der Prinz in ihre Abhängigkeit und letztlich in die Gefangenschaft Angramains. Seine Verzweiflung findet in einem aggressiv gestimmten Lied seinen Ausdruck. Szenenwechsel: Die Spiegelfiguren, jetzt als blind gekennzeichnet, werden vertrieben. Prinzessin Eli singt einsam von ihrer Sehnsucht nach dem Prinzen. Auch in den folgenden Teilen verdichtet die Musik die Atmosphären, Gesangsstücke unterstreichen die Befindlichkeiten. In einem Zwischenspiel im Zirkus entlarvt sich die phantastische Geschichte von Eli und Joan/Jojo als Vorgeschichte ihres Schicksals im Zirkus. Gemeinsam mit ihren Artistenfreunden steigen sie daraufhin durch ein überdimensionales Spinnennetz (Gratulation den Bühnenbauern!) in das Phantasiereich der Spinne Angramain zurück und besiegen sie. Jetzt kann der zurückkehrende Spiegel wieder in seine Funktion treten und allen den Weg in die Realität weisen. Dort aber wartet Baumaschinenlärm über tiefen Mollklängen auf sie. Erst das Applauslicht offenbart, dass hier etwas achtzig Spielerinnen und Spieler der Mittelstufentheatergruppe, der Leistungskurse Kunst und des Unterstufenchores durch die Inszenierung und die Atmosphären choreographiert wurden. Dabei wechselte der Chor seine Rollen überzeugend engagiert. Die jungen Sängerinnen und Sänger wirkten dabei durchweg diszipliniert, gleich, ob sie als Sänger oder chorische Sprecher gefragt waren. Die Besetzung der Mittelstufenspieler überzeugte noch mehr durch die gesanglichen Leistungen, als durch ihr körperliches und sprachliches Spiel, das (wegen der depressiven Gesamtatmosphäre?) oft zu wenig Spannung zeigte. Bewundernswert aber, wie textsicher sich alle durch Michael Endes gebundene, teils gereimte und metaphernüberladene Sprachaltertümlichkeiten hangelten. Die vom Publikum im Applaus bewundernd honorierte Kraft dieser Theaterstunde kam neben der geschickten Lenkung der großen Schülergruppen auf der Bühne aus dem Orchestergraben. Ob als Begleitorchester einer Ethnoballade, eines Popsongs oder einer Hitparodie, ob als melodramatische Klangkulisse, stets überzeugte das präzise gespielte und gut abgemischte Klangbild des Orchesters. Dieser klanglichen Präzision konnten nur die Sologesänge zum Teil adäquat zugemischt werden. Der Chor und die Sprachszenen blieben unter diesen akustischen Bedingungen trotz großzügiger Mikrofonierung zu oft unter dem Niveau von Verständlichkeit. Mit diesem technischen Problem kämpfen aber auch Profibühnen und lösen es mit laienhaft nicht nachahmbarem technischen Aufwand.

Kick me, Kate

Zum Abschluss der Theatertage ließ sich das Publikum, je nach Geschmack, durch das szenische Songspiel frei nach William Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung entweder „kicken“ oder küssen. Die Sonthofener Gruppe (7.-11. Klassen) unter der Leitung von Andreas Gross (Skript und Regie) sowie Ernst Heckel (Musik) hat neben Shakespeare noch auf Elemente aus Cole Porters Musicalversion Kiss me, Kate! von 1948 sowie dem Film 10 Things I Hate About You zurückgegriffen, der sie dazu angeregt hat, die Handlung in eine amerikanische Kleinstadt mit schülergemäßem Rahmen zu verlegen. Bianca, eine Schönheitskönigin, erzogen von einem puritanisch-konservativen Vater, darf sich erst dann mit einem ihrer drei Verehrer treffen, wenn ihre ältere Schwester Kate an den Mann gebracht worden ist. Deren erster Auftritt verdeutlicht jedoch das Problem: Sie ist laut, aggressiv und „unweiblich“. Schließlich findet sich doch ein Fremder mit Namen Dick, der sich mit Kate verabreden will, allerdings nur, weil er von Luke, Biancas Verehrer, dafür bezahlt wird. Luke gewinnt sodann einen „Bewerbungskontest“ um Bianca, indem er ihr ein wohlbehütetes Leben im goldenen Käfig des „Hausmütterchendaseins“ verspricht. Kate, von Dick gewaltsam zu sich nach Hause entführt, wo sie zu einem sittsamen Mädchen dressiert werden soll, lässt sich schließlich auf den Rat einer Freundin ein, mit Hilfe der Einnahme einer Medizin ihren Widerspruchsgeist zumindest kurzfristig auszuschalten. Ihr wird nun – dargestellt mit Hilfe einer „Stimmenskulptur“ – klar, dass sie wirklich etwas für Dick empfindet. In Originalversen Shakespeares besteht sie Dicks Test, indem sie sich seiner Sicht der Dinge widerspruchslos fügt und die Sonne für den Mond und umgekehrt hält. Plötzlich tritt sie für die Unterordnung der Frau unter den Mann ein und zähmt ihre (vormaligen) Mitstreiterinnen, die den Emanzenkrieg fortsetzen wollen. Als Kate jedoch über die wahre Identität Dicks erfährt, der ein Mädchenhändler ist, sowie von seiner „Bezahlung“, „kickt“ sie ihn in den Bauch. Nur durch einen „kiss of life“ durch Kate, die sich nach anfänglichem Zögern dazu durchringen kann, wird er gerettet. Er will sich nun seiner „Herrscherin“ unterwerfen, doch lehnt sie dies ab, indem sie für eine gleichberechtigte Partnerschaft von Mann und Frau eintritt. So kommt es durch die Bekehrung von zwei Widerspenstigen, Kate und Dick, sowie ihrer Versöhnung zum Happy End. Mit ihrer Eigenproduktion hatten die Sonthofener ein aufwändiges Projekt auf die (leere) Bühne gebracht. Mediale Hintergrundprojektionen erzeugten den Schauplatz, während auf der Bühne verschiedene Songs, choreographisch ausgeschmückt, gesungen wurden oder „normale“ Theaterszenen gespielt wurden. Absicht der Komponisten Heckel/Schmidt war es, durch heutige Musik der Jugend wie Rock, Pop und Hip-Hop die emotionalen Aussagen des Stückes zu transportieren. So bekam das Publikum gefällige Kompositionen zu hören, die aber vielleicht doch zu sehr den Mainstream-Geschmack bedienten, um die „Rebellion“, um die es im Stück oftmals ging, zu verdeutlichen. Die Sangesqualitäten der verschiedenen Solo- bzw. Background-Sänger in Songs auf englisch oder deutsch waren dabei – schließlich sangen keine Profis – naturgemäß von unterschiedlicher Qualität, doch ist es bemerkenswert, mit welcher (positiven) Lockerheit alle Sänger ihrer Aufgabe nachgingen. Schade, dass die Musik als „Konserve“ eingespielt wurde, denn eine Live-Band hätte sicherlich den Kompositionen noch mehr Leben einhauchen können. Dies erfolgte jedoch durch die gekonnte choreographische Umsetzung der Songs, wobei die sichtbare Nähe zu Musical-Produktionen sicherlich beabsichtigt war. In den Schauspielszenen agierte eine sehr kraftvolle (Punk-)Kate, die über viel Bühnenpräsenz verfügte, auf eine mögliche differenziertere Gestaltung ihres Charakters jedoch verzichtete. Mit Hilfe einiger theatraler Darstellungsmöglichkeiten, z. B. der oben erwähnten „Stimmenskulptur“, entging man der Gefahr der Textlastigkeit. Trotz des (im Programmheft geäußerten) Versuchs, die Diskriminierung der Frauen anzuprangern, liegen die Stärken dieser Produktion doch eher im Unterhaltungsbereich. Die Darbietung des Stücks, dessen Handlung etwas klischeehaft wirkt, da sie eben nicht – wie im Original Shakespeares – nur ein Traum des Kesselflickers Schlau sein könnte, diente vor allem dazu, das Publikum mit Hilfe von Tanz, Gesang und Theaterspiel auf vielfältige Weise zu unterhalten. Dies ist der Gruppe mit ihrem Projekt, für dessen Realisierung ein immenser Arbeitsaufwand betrieben werden musste, (zumeist) auch gelungen.