Fachtagung 52. Theatertage Uffenheim

Fachtagung für Lehrerinnen und Lehrer

Podium der Fachtagung

Im Rahmen der 52. Theatertage der bayerischen Gymnasien in Uffenheim waren nicht nur qualitativ beeindruckende und inhaltlich wie formal vielfältige Schultheaterstücke zu sehen. Traditionell dienen die Theatertage auch als wichtige Fortbildungsveranstaltung für Schultheater-Lehrkräfte.

In diesem Jahr wurde den Teilnehmern ein umfangreiches Angebot an Möglichkeiten gemacht: Die Nachbesprechungen der Aufführungen fanden innerhalb zweier Fachforen für Theaterlehrkräfte statt, die unter der Leitung von Rudi Stangl (Dingolfing) auf sehr reges Interesse stießen. Engagierte Diskussionen wurden über Inhalt und Form der Stücke geführt, über Arbeitsweisen der einzelnen Gruppen, Wirkungen der gezeigten Stücke auf das Publikum u.v.m.

Außerdem bot die Fördergemeinschaft für das Schultheater an den bayerischen Gymnasien Gesprächsrunden für Theaterlehrkräfte an, in denen die Bedingungen und Möglichkeiten des Schultheaters in der reformierten Oberstufe erörtert wurden. Theater kann hier als Profilfach, aber auch im Rahmen des wissenschaftspropädeutischen Seminars (W-Seminar) oder des Projektseminars zur Studien- und Berufsorientierung (P-Seminar) angeboten und von den Schülern gewählt werden. Christiane Raab-Bauer (Bad Kötzting) und Landesschulspielberater Robert Grimbs (Kirchheim) – die diese Seminare an ihren Modus 21-Schulen bereits erfolgreich durchführen konnten – leiteten die Gespräche und berichteten von ihren durchweg positiven Ergebnissen in den Schultheater-Seminaren.

Das attraktivste Fortbildungsangebot stellte sicher die von Dieter Linck (Nürnberg) konzipierte Tagung am Dienstag, 29. Juli 2008 in der Stadthalle zum Thema "Bedeutung und Stellenwert der ästhetischen Bildung in der Schule" dar. Das Thema wurde zunächst in Impulsreferaten unter den Gesichtspunkten der drei Künste betrachtet. Die Position des Schultheaters bestimmte Prof. Dr. Eckart Liebau, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Schultheater stelle immer eine moralische Anstalt im Sinne Schillers dar, denn hier finde auf intensive Weise eine Inszenierung unabgeschlossener Bildungsprozesse statt. Die tief greifenden Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler innerhalb des Schultheaters im Umgang mit Stoff, Motiv, Idee und Gestaltung des Stückes, aber auch in reflektierender Auseinandersetzung mit sich selbst, den anderen Gruppenmitgliedern, der Spielleitung und dem Publikum sind, so Liebau, durch keine andere Kunstform zu ersetzen.

Für den Bereich Kunst sprach Akad. Dir. Hans Peter Vollath, Akademie der bildenden Künste Nürnberg, in Vertretung des erkrankten Prof. Michael Munding. Er betonte die Eigenständigkeit der menschlichen Äußerungsformen Sprache, Musik, bildende Kunst und Performation. Entscheidend für die bildende Kunst sei das aktive Agieren und Reagieren von Künstler und Material. Zwischen dem Prozess des „Kunst Schaffens“ und der Reflexion über diesen Prozess müsse genau unterschieden werden. Die pädagogische Herausforderung bestehe nun darin, eigentlich außersprachliche Prozesse und Erfahrungen zu vermitteln.

Prof. Dr. Wolfgang Pfeiffer, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, betonte die Eigenständigkeit der Welt der Rhythmen, Töne und Melodien und nannte als zentrale Aufgabe der Musikpädagogik, die Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, „sich im Supermarkt der musikalischen Beliebigkeiten bewusst, aktiv, selbstbestimmt, sozialverträglich das für sie Passende auszusuchen“.

Podium der Fachtagung

In der anschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion mit den drei Referenten und Ministerialrat Michael Weidenhiller (Referat Kulturelle Bildung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus) wurde dann kritisch hinterfragt, ob die Einrichtung eines gemeinsamen Faches zur Ästhetischen Bildung sinnvoll oder – zum Beispiel für die Einrichtung eines Faches Theater in der Sekundarstufe I – eher hinderlich wäre. Während Liebau entschieden die Erziehung zum, durch und mit Theater einforderte, also auf die Verfachlichung des Theaterunterrichts drängte, worin ihn Vollath unterstützte, musste MR Weidenhiller aufkeimende Hoffnungen dämpfen, indem er darauf hinwies, dass derzeit keine finanziellen Mittel für ein solches Fach vorhanden seien. Er forderte die Schulen, gerade angesichts der Tatsache, dass die musischen Fächer derzeit einen „schweren Stand“ haben, zu Eigeninitiativen auf und betonte die Chancen, die für das Schultheater in den P- und W-Seminaren liegen, ein eigenes Theaterprofil zu entwickeln. Er verwies in diesem Zusammenhang auf eine in Nürnberg entstehende Akademie für Schultheater.

Karlheinz Frankl