48. Theatertage in Straubing

Alle Mörder sind schon da

Alle Mörder sind schon da

  • Autor: Eigenproduktion
  • Schule: Gymnasium Neubiberg
  • Dauer: 50 min
  • Spielleitung: Jutta Sieberz-Schmid
Alle Mörder sind schon da

Inszenierung

Schon einmal das Brettspiel "cluedo" gespielt? Der Grundkurs Dramatisches Gestalten in letzter Zeit ziemlich häufig. Die Regeln sind einfach: Es gibt acht mögliche Mörder, acht Tatwaffen und acht Räume, in denen der Mord geschehen kann. Nun beginnt ein spannendes Rätselspiel. Am Schluss müssen auch die Zuschauer mithelfen, um herauszubekommen, wer nun der Mörder war. Und bei den vielen Krimis, die die Theatergruppe für ihre Eigenproduktion gelesen hat, gibt es natürlich nicht nur eine Lösung.

Inhalt

Auf einem englischen Schloss, selbstverständlich mit geheimnisvollem Butler, treffen acht Gäste ein, die sich untereinander nicht kennen. Eines haben sie gemeinsam: Jeder hat einen Grund, den Gastgeber zu ermorden. Doch warum wird ausgerechnet die Köchin ermordet, so schlecht war das Essen doch auch nicht? Wer hat das Dienstmädchen auf dem Gewissen und wieso wird ein harmloser Pizzabote vor der Tür erschossen aufgefunden?

In Anlehnung an alte Schwarz-Weiß-Filme hat sich die Gruppe entschlossen, nur einzelne Farbakzente zu setzen, die an die Kegel eines Brettspiels erinnern. Ziel der Inszenierung war es, die drei Ebenen, einmal die "cluedo" spielenden Kinder, dann die lebenden Spielkarten und schließlich die zu Eigenleben erwachten Spielfiguren, immer mehr zu verwischen und mit viel Spielfreude hin und her zu wechseln. Und wie bei "cluedo" wird auch mit Räumen gespielt, so dass sich das Geschehen nicht nur auf der Bühne präsentiert. 

Das Parfüm in 15 Bildern

  • Autor: Patrick Süskind
  • Schule: Elly-Heuss-Gymnasium Weiden
  • Dauer: 50 Min.
  • Spielleitung: Christine Maier
Das Parfüm

Inszenierung

  • Das Parfüm?? Von Patrick Süskind? Das ist doch ein Roman!!
  • Na und??
  • Und die Geburt auf dem Fischmarkt? Und die Ermordung von fünfundzwanzig Mädchen? Und die Gerüche? Die kann man auf der Bühne überhaupt nicht zeigen!!
  • Aber im Buch sind sie ja auch nur beschrieben, und nicht echt!
  • Hmm.

Wir beschlossen, mal rumzuprobieren. Wir improvisierten in Gruppen, ein bisschen Fischmarkt, ein bisschen Gerüche - und dann war das Schuljahr zu Ende. Und im September hatten wir die gleiche Diskussion wieder mit den neuen Gruppenmitgliedern: "Das Parfüm?" Aber "Das Parfüm ist doch ein Roman!"

Es traf sich gut, dass unter den Neumitgliedern einige aus unseren Gymnastik- und Tanzgruppen waren. Und so setzten wir Dinge, die man nicht im traditionellen Sinn spielen kann, in Tänze um. 

Das Ergebnis war dann eine Mischung aus Spiel- und Sprechszenen, Tänzen und Bildern. Schön war, dass sich auch noch eine experimentierfreudige Gruppe für die Musik fand, die aus so gegensätzlichen Instrumenten wie einer Geige, einer E-Gitarre, einer Querflöte und einer Cajon-Box Live-Musik mit dem Schwerpunkt auf Improvisation komponierte. Und schließlich hatten wir dann auch noch eine Idee für die Gerüche, die man ja nun wirklich nicht spielen kann...

Der Schwumm Über-Lebensetuden

  • Autor: Eigenproduktion
  • Schule: Herzog-Christian-August-Gymnasium Sulzbach-Rosenberg
  • Dauer: 50
  • Spielleitung: Winfried Steinl
Schwumm

Inszenierung - Das Ensemble über sich und die Produktion

Auslöser war ein Sportlehrbuch über Schwimmen, das irgendwann einmal bei uns im Theaterkammerl herumlag. Bald kam dazu aus dem Physikbuch die Auftriebsformel des Archimedes. Das waren dann die Grundkomponenten: das tägliche Schwimmen in jeglicher Hinsicht und An- , Auf-, und sonstiger Trieb, vielleicht noch in Kombination. Dazu suchten wir nun literarische Textsplitter. 

H.M. Enzensbergers "Untergang der Titanic", er nennt es "eine Komödie", lieferte Anregungen. Die Titanikgeschichte, die ja auch bei Enzensberger nur als Gedankenauslöser fungiert, interessierte eigentlich nicht, sondern das "weitverzweigte und komplizierte Assoziationssystem, in dem Platz ist für Mystifikation wie auch für authentische Details" (Nicolas Born im Klappentext). Sowas gefiel uns. Aus dieser Szenenfolge (eigentlich ist es ja ausschließlich eine Textfolge) wurden dann zwei Passagen relativ eng am Vorlagentext inszeniert. 

Dazu kommen noch Textpassagen aus J.v.Düffel "Schwimmen", und auch der gute Brecht taucht einmal auf. 

Vor allem dieses Material diente als Anreger und Auslöser für Weiter- und Eigenentwickeln oben angesprochener Themenbereiche (Unsicherheiten, Triebe) im Sinne der Vorstellungen und Bedürfnishaushalte Jugendlicher! Also Eigenproduktion in den Bereichen Gefühle, Liebe, Sex, Beziehungen.

Quintessenz: Es gibt eigentlich keinen Lebensbereich, in dem man nicht schwimmt! Mehr oder weniger gut. Da dem Menschen die Fähigkeit zu schwimmen nicht angeboren ist, muss er sie erlernen. Oder er säuft ab. Ausgehend von dieser lapidaren Lexikon-Erkenntnis entstanden inhaltlich locker verbundene Kombinationen und formal strenge Kompositionen zum Thema: Übungsstücke – Etuden über das Leben und das Überleben.

Die Schul-Theatergruppe ist eine Kombination aus AG 9/10/11 und GK Dramatisches Gestalten plus Ehemalige (Abiturienten, Zivi), alten Hasen mit 5/6-jähriger Spielerfahrung und Nachrückern aus der Mittelstufe, die aber auch schon 2-3 Jahre Spielpraxis haben.

der tollste tag

  • Autor: peter turrini
  • Schule: Jean-Paul-Gymnasium Hof
  • Dauer: 50 Minuten
  • Spielleitung: Tabea-Stephanie Amtmann
Der tollste Tag

Inszenierung

Theaterchaos macht Spaß erst recht, wenn es sich dabei um 26 theaterwütige Leute aus drei Gymnasien handelt. Das sind wir nämlich momentan im Grundkurs am Jean-Paul-Gymnasium: Schiller-, Johann-Christian-Reinhart- und Jean-Paul-Gymnasium machen Theater in Hof, wenn wir nicht gerade organisieren und Termine koordinieren. Und jetzt fahren wir nach Straubing. Mit Turrini im Gepäck. Und weil uns die sozialkritische Komponente gegen Schluss nicht gefallen hat, haben wir einfach ein Commedia dell' arte-Stück daraus gemacht. Wollten wir sowieso schon lange mal. Jetzt tun wir 's. Eigentlich eine belanglose Story: Graf will Dienerin, da jung und knackig, Dienerin will nicht, da in anderen Diener verliebt und hochzeitswillig, wieder anderer Diener will Gräfin und darf nicht, da Standesunterschied, zwei alte Hofschranzen wollen, dass keiner darf, da selbst scharf auf Diener. Fertig! Kennt jeder, weil man Mozart kennt. Der bleibt deswegen auch außen vor. Einfache Geschichte, einfache Bühne, dafür komplizierte Masken, derbe Sprache und viel Körper, Commedia eben. Ein paar Rollen mussten noch dazu erfunden werden, wohin sonst mit so vielen Menschen. Aber Ton für Masken gab 's ja genug. 

Und jetzt spielen wir- weil 's uns Spaß macht!

Die Kleinbürgerhochzeit

  • Autor: Bertolt Brecht
  • Schule: Gymnasium Weilheim
  • Dauer: 55 Min.
  • Spielleitung: Bernhard Kerscher
Die Kleinbürgerhochzeit

Inszenierung

  • "Jakob, nimm das Schwanzstück!"
  • "Bei den Modernen, da wird das Familienleben doch so in den Schmutz gezogen, dabei ist das doch das Beste, was wir Deutschen haben..."
  • "Dünne Füße, das ist rassig!"
  • "... und überhaupt ist es eine Unverschämtheit, seine Freunde in einen solchen Kehrichthaufen einzuladen!"

Ein Stück voll geballter Emotionalität, aber auch ein Stück, von dessen Lebendigkeit anfangs keiner von uns 17 Kollegiaten so recht zu überzeugen war. Es war aus einer Referat-Serie zu Stücken der Zwanziger Jahre hervorgegangen und stand in harter Konkurrenz. Die Herausforderung bestand darin, unser Stück mit eigenen, realitätsnahen Bezügen zu gestalten. Hierzu hatte jeder Kursteilnehmer die angenehme und zumeist erheiternde Aufgabe, die Gepflogenheiten der eigenen Familie zu studieren und über das Regieteam in die Inszenierung einzubringen. So liegt ein besonderer Reiz des Stückes darin, die karikierten und ins satirehafte überzogenen Verhaltensmuster der eigenen Familie wiederzuerkennen. Außerdem sollte durch eine zweite, verfremdende Ebene die Zeitlosigkeit der Problematik verdeutlicht werden.

Ansonsten besteht unser Theateralltag aus von uns Schülern gestalteten Exercicen zur Körperarbeit, kreativem Stegreifspiel, Stimmbildung, Rhetorik, Theorie-Unterricht, Theatergeschichte

(Dominik Aigner)

Faust - kein Puppenspiel

  • Die tragische Historie vom Doktor Faustus nach Christopher Marlowe
  • Autor: Christopher Marlowe
  • Schule: Werner-von-Siemens-Gymnasium Regensburg
  • Dauer: 50 Minuten
  • Spielleitung: Paul Reinwald und Diana Schneider
Faust - kein Puppenspiel

Inszenierung

  • Schon wieder! - Goethes Faust als Publikumsrenner am Stadttheater Regensburg
  • Immer wieder! - Faust als Schullektüre
  • Das Puppenspiel? - Nicht bekannt
  • Warum nicht Marlowe? - Zu viel Text! Nicht spielbar!

Dann aber anders! Es begann ein Prozess der Suche nach sprechenden Bildern und spielbaren Formen. Erprobtes aus vergangenen Jahren wurde wieder entdeckt. Vertrautes verworfen. Texte wurden eingedampft. Goethe blieb draußen. Marlowe trat in den Hintergrund. So enstand ein Stück, das die bekannte Faust-Geschichte in neue Bilder umsetzt. Aktualität? Schülerbezug? Konzeption? "Nur ein Spiel von Faustens Schicksal gilt's vorzuführen."

gelöscht TM

  • Autor: Eigenproduktion nach Motiven von Martin Crimp
  • Schule: Dürer-Gymnasium Nürnberg
  • Dauer: 50 Minuten
  • Spielleitung: Kristina Kalb
gelöscht - TM

Inszenierung

"Keiner wird den wirklichen Gang solcher Ereignisse unmittelbar erfahren, aber jeder wird ein Bild von ihm erhalten haben." (Jean Baudrillard)

Ein Mensch begeht Selbstmord. Wir fühlen uns in Frage gestellt. Die Fassade von Herzlichkeit und Wärme, in der wir unsere Alltagshandlungen gut aufgehoben glaubten, offenbart mit einem Mal tiefe Risse. Was bewog sie, was bewog ihn zu der Entscheidung, sich unserer doch intakten Welt radikal zu entziehen? Wer war sie, war er? Lässt es sich aus den Fragmenten von Bildern, Gedanken und Gefühlen, die in den Gebliebenen noch fortleben, rekonstruieren? Reicht dieses flüchtig aufgenommene Wissen aus, das sich selten Zeit nahm, und sich nun rasch in Vermutungen erschöpft, um jenen Menschen, sein Handeln - und sei es nur in groben Umrissen - nachvollziehbar, menschlich werden zu lassen?

Um jenen Kern bewegten sich unsere Gedanken immer wieder, als wir daran gingen "gelöscht TM" umzusetzen. Es ist ein Stück, das sich dem beruhigenden Aha-Effekt einer Auflösung verweigert. War Anne nun Terroristin, suizidgefährdete Künstlerin, die freundliche Reiseleiterin, doch eher die "schamlose" Pornoqueen, oder am Ende nur ein Auto?

Was bleibt, ist Ratlosigkeit. Alle Möglichkeiten stehen scheinbar gleichberechtigt nebeneinander, doch beweist nicht letztlich ihre Vielzahl, dass sie sämtlich falsch, zumindest ungenügend sein müssen?

katzelmacher

  • Autor: rainer werner fassbinder
  • Schule: Graf-Rasso-Gymnasium Fürstenfeldbruck
  • Dauer: 50 min
  • Spielleitung: Harald Molocher
katzelmacher

Inszenierung

Marie gehört zu Erich, Paul zu Helga, Bruno läßt sich von Elisabeth aushalten. Gunda treibt es für Geld mit Franz. Sie treffen sich, einzeln, paarweise, die ganze Gruppe und reden, werden aggressiv, öden sich an, trinken. langweilen sich. Das ist normal. Dass Helga, die zu Paul gehört, sich mit dessen Freund Erich einläßt, daß Gunda gehänselt wird, dass sie keinen abkriegt und Ingrid von einer Filmkarriere träumt, das gehört dazu. Das war schon immer so. Aber plötzlich ist Jorgos da. Er tut nichts und dennoch bricht er in ihre Welt ein. Ängste, Streitsucht und Schuldzuweisungen brechen auf. Und der Griech ist schuld. Deshalb muß er eine verpasst kriegen. Gunda: Das hat mal sein müssen, weil der hier rumläuft, als wenn er hergehört. Es dreht sich um Liebe und Verzicht, sowie um Träume und Niederlagen und natürlich um Ausländer. Das hat uns interessiert. 

Leonce und Lena

  • Bitterkomödie mit Elementen des Improvisationstheaters
  • Autor: nach Georg Büchner
  • Schule: Gymnasium Stein
  • Dauer: 50 min
  • Spielleitung: Marcus Gangloff
Leonce und Lena

Inszenierung

Wird Popos Thronfolger Leonce ein gerechterer Herrscher, als sein Vater es war? Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht. (Leonce) Wird Prinzessin Lena aus Pipi, seine ihm ausgewählte Gemahlin, ihren Teil zu einem harmonischen Königspaar beitragen können? Warum schlägt man einen Nagel durch zwei Hände, die sich nicht suchten? (Lena) Was wird passieren, wenn beide wirklich die Fäden der Macht in der Hand halten werden? Lassen sie ihr Volk wie Marionetten tanzen - oder schneiden sie die straffen Seile ab? Die tägliche Wirklichkeit spricht eine eindeutige Sprache... 

Elemente des Improvisationstheaters mit der Inszenierung eines Stücks aus dem klassischen Kanon zu verbinden, ist die diesjährige Aufgabe der Theatergruppe der 7.-11. Klassen des Gymnasiums Stein.

... Dieses Mal haben wir einiges anderes zu lernen. Die "Moderatoren" z.B. stehen vor der Aufgabe, ihre Rollen selbst zu schreiben. Des Weiteren müssen wir viele verschiedene Techniken des Impro-Schauspielens erlernen, wie z.B. einen Stummfilm zu spielen, Teleshopping zu präsentieren, mit Vorgaben aus dem Publikum umzugehen u.v.m. (Tine Jürke, Moderatorin, und Yvonne Tratz, Lena)

Schwimmen lernen.

  • Kein Spiel für Prinzen.
  • Autor: Eigenproduktion
  • Schule: Ludwigsgymnasium Straubing
  • Dauer: 50 min
  • Spielleitung: Karlheinz Frankl
Schwimmen lernen

Inszenierung

"Es waren zwei Königskinder", lautet der Anfang einer Volksballade. Ihr liegt der Mythos von Hero und Leander zugrunde. Darin schwimmt ein Prinz nachts zu einer Prinzessin. Die weist ihm den Weg mit einer Kerze. Die Kerze erlischt, der Prinz ertrinkt, die Prinzessin geht ins Wasser. Wieso? Wir verstanden diese Welt nicht. Also stellten wir Fragen: Warum schwimmt der Prinz? Wieso wartet die Prinzessin auf einen Schwimmer? Und was wäre, wenn der Prinz gar nicht schwimmen könnte? Dann müsste er das Schwimmen lernen! Das verstanden wir und das versucht er in unserem Stück mit Hilfe seines besonders königlichen Vaters, seiner überaus lieben Mutter und seiner äußerst fähigen Leibgarde. Wir, 22 SpielerInnen der Mittel-/Oberstufe, erarbeiteten das Stück in 18 Monaten. In der Inszenierung übertreiben wir gelegentlich das langsame Spiel sowie den niederbayerischen Dialekt. Dafür verzichten wir häufig auf Requisiten und Kulissen. 

So long, King Kong!

  • Autor: Eigenproduktion
  • Schule: Gymnasium Zwiesel
  • Dauer: 50 min.
  • Spielleitung: Gerd Riffeser
So long, King Kong!

Inszenierung

Jack: Wissen Sie, was das Glück ist, Ann?

Ann: Sagen Sie's mir, Jack.

Jack: Das Glück ist ... indigoblau ...

Wir versuchen, die Geschichte des Riesengorillas King Kong, des Urvaters aller Katastrophenfilme, nach dem Roman von William Lovelace aus dem Jahr 1932, auf die Bühne zu bringen. Mit Feuereifer, denn natürlich wollen wir Peter Jackson, dem Regisseur der "Herr-der-Ringe" - Trilogie, der ein Remake des alten Hollywoodfilms plant, zuvorkommen! Die eher einfach strukturierte Hollywoodhandlung ergänzen wir mit Szenen eines anderen Textes zu diesem Thema: "Bericht für eine Akademie" von Franz Kafka:

Beide Geschichten zeigen Übergriffe des Menschen in die Natur und Reaktionen der Opfer: Anpassung oder Kampf, Liebe oder Resignation. In Zwiesel setzt man naturgemäß auf die Liebe - auch wenn es um "Bestien" geht.

Wie es euch gefällt

  • Autor: William Shakespeare
  • Schule: Christoph-Probst-Gymnasium Gilching
  • Dauer: ca. 50 Min
  • Spielleitung: Ingrid Popp
Wie es euch gefällt

Inszenierung

Jedes Jahr schreiben sich an unserer Schule theaterbegeisterte junge Leute für den Grundkurs Dramatisches Gestalten ein. Ich wurde 1999 mit der Aufgabe betraut, ihn zu unterrichten. Mit meinem Stück "Gnadentod" fing alles an. Es folgten "Glasmenagerie" von T. Williams, eine Collage von Szenen aus verschiedenen Stücken, der wir den Titel "Liebe, Hass und andere Verirrungen" gaben, dann "ein wahrer Held" von J. M. Synge und letztes Jahr das Musical "Cabaret". Wir arbeiten hart aber mit viel Enthusiasmus, und haben vor allem viel Spaß dabei. Unter die Schüler der Kollegstufe mischen sich jedes Jahr ein paar Neugierige aus der 11. oder gar aus der 10. Klasse. 

Zu Beginn des Schuljahres haben wir uns für "Wie es euch gefällt" entschieden. Wir hatten jetzt Lust auf etwas ganz Anderes, etwas Heiteres, Poetisches. Der großen Verantwortung sind wir uns bewusst, knabbern ganz schön an der Schlegelschen Übersetzung, dachten uns aber, "frisch gewagt ist halb gewonnen." Den Mut, dieses Wagnis einzugehen, haben wir wohl aus unserer Arbeit an "Cabaret" genommen und aus der Tatsache, dass die ganze Truppe, die zu einem starken Team zusammengewachsen ist, bis auf einen Schüler wieder mit von der Partie ist. Die fünf neuen Schüler haben sich problemlos eingefügt.

Shakespeares Komödie handelt von Hass und Liebe. Sie ist voll leiser Melancholie und Erotik. Im Ardenner Wald finden vier Paare zusammen, die teilweise den Zwängen und Gefahren am Hof entflohen sind, und dort in Freiheit lieben können. Rosalinde verkleidet sich als Ganymed, um den Gefahren zu entrinnen, die zwei allein reisenden Mädchen damals gedroht hätten, aber auch aus Lust an der Verwandlung und um die Möglichkeit zu haben, Orlando und dessen Liebe zu ihr zu prüfen. Es geht um die pastorale Liebe zwischen Phöbe und Silvius, die handfeste erotische Liebe zwischen Probstein und Käthchen, die tiefe und wahre Liebe zwischen Rosalinde und Orlando; auch um die Liebe zwischen Vater und Tochter und um die freundschaftliche Liebe zwischen Rosalinde und Celia; aber auch um Missgunst und Gewalt unter zwei Brüderpaaren. Die Märchenwelt dieses Zauberwaldes hat uns interessiert und die Verwandlungen und Läuterungen, die die Figuren darin durchleben. 

Wir haben schnell herausgefunden, dass es sich hier nicht um ein Action-Stück handelt, sondern um sehr subtile Geschehnisse und Enthüllungen der Abgründe und Stärken der menschlichen Seele. Wir tasten uns langsam an die Charaktere heran, indem wir uns fragen, warum wohl die einzelnen Figuren so und nicht anders auf einander reagieren. Die Schüler versuchen, das zu ergründen, indem sie u. a. eine Biographie ihrer Rolle geschrieben haben. Auf diese Weise müssen sie formulieren, was sie zunächst vage herausgefunden haben. Um sich diese schwierige Sprache zu ihrer eigenen zu machen, sie so direkt und persönlich von sich zu geben, proben wir die Szenen immer wieder mit eigenem Text. Wir suchen nach Parallelen zu unserem modernen Leben und sprechen über Masken, die wir auch heute tragen, wie Jaques so treffend sagt: "Die ganze Welt ist Bühne".